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4Dec/091

Last.fm steigt bei Vevo von Universal Music, Sony und Google ein

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Was bisher eher platzhaltermäßig mit einem rudimentären Blog daherkommt startet am 8. Dezember als neue Video-Plattform von Universal Music, Sony Music und Google: Vevo. CBS steigt nun zusätzlich mit seinen amerikanischen Radiosendern und last.fm in das Projekt ein. Vevo soll ein neues Zuhause werden für "Premium Music Content" – also zum Beispiel auch für  Mitschnitte von Studio-Auftritten und Interviews von CBS. Und natürlich bringt auch Universal seine umfangreichen Rechte an Videomaterial, z.B. für Musikvideos oder Konzertmitschnitte mit ein.

Auch bislang schon sind offizielle Musikvideos eine der wichtigsten Inhaltsarten auf Youtube, sowohl in Menge als auch in Abrufzahlen – und haben dort ein riesiges Publikum. Otto Normaluser wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch weiterhin eher auf Youtube nach Band-Content suchen, und die Begründungen von den Projekttreibern Google und Universal für ihre Initiative blieben bislang eher wolkig. Man will eben das Hulu für Musikvideos werden, auch wenn es da neben Youtube auf Nutzerseite wohl kaum Bedarf gibt.

Die Beweggründe für Vevo dürften also eher politischer Art sein:

  • Immer wieder laufen Lizenzdeals aus, die Google mit den Major Labels hat. Als User merkt man das, wenn plötzlich wieder bei vielen Videos der Ton fehlt und Urheberechtshinweise erscheinen. Die Labels erhalten für gespielte Videos Micro-Beträge sowie Beteiligungen an den Werbeerlösen. Mit Vevo wollen die Labels also nun nicht nur ein kleines Stückchen vom Kuchen, sondern selbst einen backen. Für zukünftige Lizenzverhandlungen entsteht hier auch zusätzliche Verhandlungsmasse. Man ist nicht mehr nur Content-Produzent und Verbreiter, sondern sitzt fortan auch ein Stück weit im gleichen Boot.
  • Ein separates Portal ermöglicht auch ein eigenes Setting an Regeln, Prozessen und Features. Sehr viele Features bei Youtube werden von den Standardnutzern als unwichtig bewertet und existieren vor allem deshalb so prominent, weil sie den Uploadern am Herzen liegen (z.B. Feedbacks, Bewertungen, Video-Antworten). Und "Uploader" wird es dem Anschein nach bei Vevo nicht geben. Man darf also spekulieren, dass solche Features bei Vevo zwar auch vorkommen werden, aber eher in den Hintergrund treten. Und dass Dinge auf Vevo einfach ein wenig anders funktionieren – zugeschnitten auf die Interessen der Labels.
  • Ein separates Portal, an dem Universal und Sony Music Anteile halten ermöglicht es Ihnen aber auch, dieses zu bewerben ohne als Nebeneffekt Youtubes Markenwert und Beliebtheit zu steigern – wovon man ja nun herzlich wenig hätte. Im Gegenteil: dadurch würde die Abhängigkeit von Youtube als Promotion-Medium eher noch steigen. Schon jetzt kann man getrost davon ausgehen, dass Youtube hier ebenso wichtig ist wie MTV. Hier ist Vevo eine strategisch elegante Lösung.

Fazit: Vevo wird aus Nutzersicht nicht wirklich gebraucht, ist aber aus seitens der Musikindustrie absolut überfällig, so wie Hulu es für TV war. Ebenso wie bei iTunes hat sich die Musikindustrie die Butter vom Brot nehmen lassen. Jetzt die inhaltliche Kooperation mit Google zu suchen anstatt weiter mit Insellösungen herumzukrebsen ist richtig und konsequent.

Bild: KMJ unter GNU-Lizenz
2Nov/090

Social Media: Die Abschaltung des Web 1.0

Vor einer Woche hat Yahoo das Web 1.0 abgeschaltet.
Oder zumindest das, was mit seinen blinkenden, WordArt-Texten, hüpfenden Baustellenschildern und tanzen Streifenhörnchen-GIFs so schön für die allerersten Schritte im Web stand, die wir mal alle getan haben. Als man noch ganz aufgeregt war, dass man "drin" war, und das Modem munter vor sich hinfiepte. Yahoo hat GeoCities abgeschaltet, den Website-Hoster, den man anno 1999 für sagenhafte 3,5 Milliarden Dollar (in überbewerteten Aktien) übernommen und danach weitestgehend sich selbst überlassen hatte.

Damals state of the art: unter der GeoCity-typischen Adresse HotSprings 1837 verbarg sich diese absolut ernstgemeinte Seite zum Thema Schlafstörungen

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Verglichen mit GeoCities ist selbst MySpace eine Ort der Ruhe und Meditation, und aus heutiger Sicht war es einfach nur ziemlich hässlich und schlimm. Nach dem Kauf durch Yahoo ging es dann auch steil bergab: eine GeoCities-URL war vom Zeichen von Medienkompetenz und versiertem Early-Adopter-Dasein zu einem peinlichen Geständnis geworden. Aber man sollte sich nicht darüber hinweg täuschen lassen, dass GeoCities mal das dritthäufigst besuchte Angebot im Web war... und dass die Idee, jedem einen eigenen Platz in diesem neuen Webdings zu geben anno 1995 überhaupt nichts banales darstellte. Sich in dieser neuen, fremden Welt namens Internet einen eigenen Platz zu schaffen war nicht peinlich – es war großartig und erhebend.

Immer austauschbarer: Die Logos von Geocities

Immer austauschbarer: Die Logos von Geocities

Ein kleiner Teil des Niedergangs von GeoCities ist einer desaströsen Markenstrategie mit ständig wechselnden und austauschbaren Logos geschuldet (nicht umsonst ist aus Flickr nicht Yahoo Flickr geworden... man hat gelernt). Der Todesstoß dürfte aber wohl gewesen sein, dass man ein ganz normaler Gratishoster in einem Me-Too-Markt wurde. Der Nachbarschaftsgedanke (auf der Startseite von 1996: "Today's cool Homestead: HotSprings 1837") und andere Einzigartigkeiten spielten keine Rolle mehr, und die eigene, ursprüngliche Idee wurde nicht konsequent weiterentwickelt. Anstatt als Community neue Coolness zu entwickeln und letztlich MySpace den Erfolg vorwegzunehmen war man fortan der Zombie des Gratishoster-Marktes. Community-Marken dürfen ein bisschen "whacky" sein – da darf, je nach Zielgruppe, auch durchaus einiges an Trash passieren. Denn es ist der eigene geliebte Trash, oder der von Freunden. Für ein Unternehmen, das sich weiterhin als Hoster definierte war dieses Image aber tödlich. Kurzum: anders als viele Pessimisten meinen hätte es durchaus funktionieren können.

GeoCities hat neben ein paar wenigen anderen das Fundament für Social Web und "User Generated Content" gelegt. Ein Augenblick des Innehaltens und Gedenkens ist angemessen.

GeoCities auf web.archive.org:

22Oct/090

Statistik: Mary Meekers Daten zu Wirtschaft und Mobile Web 2009

Eine wunderbar detaillierte und erhellende Präsentation zum Web 2.0 Summit 2009 in San Francisco von Mary Meeker (Morgan Stabley) – enthält aktuelle US-Daten zu Finanzmärkten, Technikmärkten, Internettrends, Mobile Internet, Wireless Broadband /3G, iPhone u.s.w.

Mary Meeker's Internet Presentation 2009

Mary Meekers Präsentation auf Youtube:

Weiteres feines Material zu internationalen Internet-Trends gibt es bei Morgan Stanley/ Techresearch.

27Jul/090

Verlage und Verluste: Das Gespenst “Gratis-Kultur”

"Die Gratiskultur existiert nicht. Sie ist ein Mythos. Besser: eine leichte Ausrede, um sich nicht kümmern zu müssen."

Thomas Knüwer über das Investitionsgut "Zeit" und die Ignoranz der Verlage