Während TIME Inc. noch an dem Magazin für Touch-Oberflächen arbeitet hat die britische SUN ihr Produkt schon im Laden. Seit 1969. Gefunden bei Thomas Knüwer, und im Gegensatz zu ihm finde ich den Spot brilliant. Als Reklame, im Fernsehen. Und nicht als strategisches Statement.
Heute gibt's mal eine kleine Gegenüberstellung: zwei Kampagnen mit dem Thema "die Erde lieb haben". Einmal in viral-tauglicher Ausführung – und einmal in schmerzhaft infantiler und vollkommen viral-untauglicher Version. Die Variante 1 kommt vom Discovery Channel. Und Variante 2 ist der Spot, den die Agentur Jung von Matt für einen komplett anderen Kunden zum gleichen Thema ersonnen hat.
Discovery Channel: Boom-da-ya-da!
RWE: Der Energieriese
Man kann es wohl nicht anders sagen: wenigstens musikalisch ist der JvM-Spot durch Discovery Channel inspiriert. Es handelt sich um ein Lagerfeuerlied, das die JvM-Trojaner vorher wohl kaum beim Grillen an der Elbe gesungen haben.
Der RWE-Spot ist der unglaubwürdigste Versuch von Greenwashing, den ich in letzter Zeit gesehen habe. Für Web und Virales ist er ein Negativ-Lehrbeispiel, weil er mit der Botschaft "groß = gut" dem Betrachter ziemlich schamlos und durchschaubar ins Gesicht lügt. Mein Verbraucherhirn kann sich an keine Nachricht der letzten 5 Jahre erinnern, die einen Hinweis enthält, dass große Stromanbieter total prima sind. Strompreiserhöhungen, mangelhafte Sicherheitskultur (Vattenfall), neue Braunkohlekraftwerke und ausfallende Netze im Winter (RWE) bleiben eben hängen. Und dort wo tatsächlich gute Argumente drin stecken (ja, große Unternehmen sind nicht immer nur furchtbar), werden sie durch die debile Aufbereitung dann doch eher unglaubwürdig. Sollte der "Stromriese" jemals in digitalen Kanälen abheben, dann wohl nur in Form von Hohn und Spott, die sich über Absender und Agentur ergießen.
Achja: von Jung von Matt kommt meines Wissens nach übrigens auch der RWE-Claim "voRWEg gehen", der an dieser Stelle mal nicht weiter kommentiert sei.
Nachtrag: achja, es gab tatsächlich erst gerade einen genauso bananige Fall von Greenwashing: dieser gestelzte und nicht recht sympathische Mensch, der im Spot für E.On Gezeitenkraftwerke erklärt. Aber da hat man sich wohl von vornherein keine Hoffnungen auf Virales gemacht.