Das Touch-Magazin und die iPad-Gerüchteküche

Simulation eines interaktiven Touch-Magazins von TIME Inc.
Nach Condè Nast hat jetzt auch TIME Inc. Ideen vorgestellt, wie die eigenen Magazine in Zukunft als digitale Version erscheinen könnten. Das alles basiert letztlich auf den Gerüchten rund um das "iPad" von Apple, auch wenn hier auf einem fiktiven Gerät mit "Time Inc." Branding präsentiert wird. Mal heißt es, US-Verlage seien für das iPad als Content-Lieferanten schon großflächig eingebunden, und mal wird das heftig dementiert. Auf jeden Fall hat sich dieses Thema inzwischen soweit verselbstständigt, dass es kaum verwundern würde, wenn sich das "iPad" als letztlich etwas ganz anderes entpuppt, als momentan dahinspekuliert wird. Dass aber schon bald geeignete Geräte (im Gegensatz zu Amazons Kindle...) in Farbe und mit Touch-Oberfläche kommen darf schon angenommen werden.
Christopher Wink über Bürgerjournalismus

‘Citizen Journalism’ is a phrase just like ‘Horseless carriage’, and we needed both.
Das iPhone als Studio-Equipment
Wenn kurz vor der nächsten Nachrichtensendung sämtliche Telefone und Computer des Sendezentrums den Geist aufgeben, dann darf man von panischen Reaktionen ausgehen. Die Texte für die BBC-Radionachrichten vor ein paar Tagen ließen sich nicht ausdrucken oder sonstwie verarbeiten, und so musste eine schnelle Lösung her. Die einzig verfügbare: Sprecherin Allison Rooper bekam die Texte auf ihr iPhone gemailt und las sie von dort ab. Hat funktioniert. Mehr dazu: Daily Mail
Online-Redaktionen: der Mauerfall und die Wiedervereinigung der Gehirnhälften
Das schönste redaktionelle Online-Feature zum Mauerfall kommt natürlich nicht aus Deutschland. Die New York Times hat mal wieder vorgemacht, wie man mit relativ einfachen Mitteln einen sehr prägnanten Effekt erzielen kann. Und so wandert der Link auch gerade als Empfehlung durchs Web. Was hier besonders deutlich wird: nicht die riesigen funkelnden Flash-Anwendungen mit interaktiver Karte und dutzenden Bildern in Slideshows gewinnen, sondern der größte Effekt mit dem geringsten Aufwand – sowohl für den Benutzer als auch bei der Erstellung.

New York Times - Mauerfall Special
Zum Vergleich: das Mauerfall-Special von Morgenpost Online. Ja, das ist toll. 3D und mit Karte vom Mauerverlauf. Und hervorragendes Design mit ansprechender Typographie. Aber kommt darin irgendetwas vor, was wir nicht in ähnlicher Form schon lange kennen? Wir wissen doch, wo die Mauer verlief, zumindest grob. Das Beispiel von der New York Times zeigt wunderbar, wie eine schlichte und unprätentiös umgesetzte Idee trotzdem mehr Emotionen weckt.

Morgenpost Mauerfall Special
Für alle, die sich mit Informationsarchitektur und Usability beschäftigen ist dieser Vergleich auch aus einem anderen Grund interessant: viel zu selten denkt man nämlich als Konzeptioner oder Designer an die Frage "Mit welcher Gehirnhälfte des Nutzers "spreche" ich eigentlich gerade?". Schließlich ist eine Hälfte unseres Hirnkastls für Mathematik, Logik und alle harten Fakten zuständig, während sich in der anderen Hälfte Gefühle, Glaube und so ziemlich alles Abstrakte tummeln. Beinahe kurios ist es da natürlich, dass bei näherem Hinsehen die Version der Morgenpost (die ja von der Aufbereitung offensichtlich verspielt, lebendig und interessant sein soll) viel mehr unsere Fakten-Hälfte anspricht. Die vielen kleinen Navigationselemente analysieren wir erstmal, versuchen zu verstehen, was uns da geboten wird – und dann steckt in dem bunten, lebendigen Ding vor allem eines drin: Zahlen, Daten, Namen, Fakten. Die sind sicher in dieser gelungenen Aufbereitung besser zu verstehen, aber trotz Blinkiblinki für große Emotionen nicht gut.
Drum merke dir, oh Informationsarchitekt: Wenn man sich denn die Frage nach der angesprochenen Gehirnhälfte stellt, dann ist es ratsam, zwischen Aufbereitung, Interaktion und Inhalten zu unterscheiden.
Nachtrag: auch das Feature in der Serie "The Big Picture" des Boston Globe ist mal wieder sehr gelungen. Size matters. Und: die Bilder wirken gleich ganz anders, ohne nerviges durchgeklicke und all die popligen kleinen Linkelemente und Buttons, die bei einer Bildergalerie sonst dazugehören. Deutsche Newsportale sind zu PI-gierig für sowas.
Verlage und Verluste: Das Gespenst “Gratis-Kultur”
"Die Gratiskultur existiert nicht. Sie ist ein Mythos. Besser: eine leichte Ausrede, um sich nicht kümmern zu müssen."
Thomas Knüwer über das Investitionsgut "Zeit" und die Ignoranz der Verlage
Informationsarchitektur: Der Wissenschaftsartikel der Zukunft?

Der ziemlich große Wissenschaftsverlag Elsevier denkt darüber nach, wie ein wissenschaftlicher Aritkel in Zukunft im Web aussieht. Das ist vor allem spannend, weil hier im Vergleich zu Publikumstiteln sehr viel mehr Meta-Informationen (Quellen, Autoren, Danksagungen...) zu berücksichtigen sind. Eigentlich gibt es dabei was die Darstellung angeht nicht so viel neues: Reiterchen, AJAX-Dinge, alles sehr dynamisch. Trotzdem ist dieser Aufwand sehr bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass selbst bei großen Publikumstiteln sich immernoch in jedem zweiten Online-Artikel Hinweise wie "siehe Seite 12" oder "siehe Kasten rechts" befinden. Und bemerkenswert ist auch die Vielzahl an Content-Tools mit denen die Inhalte hier beackert werden: Quellen alphabetisch, Quellen-Autoren alphabetisch, u.s.w. Mitunter hat man sogar das Gefühl, dass zu viele Optionen angeboten werden, und die wichtigen Inhalte in Konkurrenz zu Sortiermöglichkeiten und anderen Content-Tools stehen. Und auch das versenden von Links in tefere Inhalte dürfte sich als Problem herausstellen: Dank dynamischer Inhalte liegt schließlich alles unter der URL des Artikels und man landet stehts beim Einstieg.
Zum kucken:




