information superhighway Daten, Menschen, und wie sie miteinander umgehen

9Dec/090

Patentpiraten aus dem All

all_sonde
Irdische Fanatiker im Zeichen des geistigen Eigentums haben uns schon immer gewarnt: Das Klauen von eben diesem wird unser aller Untergang. Nun ist es geschehen. Wer es nicht in den Neuen Garten Eden schafft, den erledigt die Apokalypse. Eine gerechte Strafe für uns Sünder. Und das alles weil fiese Außerirdische (oder Engel..., oder sowas in der Art) das US-Patent mit der Nummer 7,107,286 verletzt haben. Wie konnte es nur soweit kommen?

Zum Hintergrund: Nicolas Cage spielt im Film "Knowing" den gottesungläubigen MIT-Prof John Koestler. Es gelingt ihm ein geheimnisvolles Papier zu entschlüsseln, in welchem die Geodaten von Orten enthalten sind, an denen sich Katastrophen ereignet haben, in der Vergangenheit ... und in der Zukunft.

In der Zukunft? Alberne Fiktion? Mitnichten! Die verwendete Technik ist angeblich so oder so ähnlich im eingangs bezeichneten Patent geschützt. Dieses Patent befindet sich sich in den Händen des Unternehmens Global Findability, Inc., das in Washington, D.C. auf unserem Planeten zu finden ist. Und die Genies dort unter der Leitung ihres Bosses Carl Burnett sind not amused, dass ihr - im wahrsten Sinne des Wortes - zukunftsweisendes geistiges Eigentum geklaut wurde. Und das auch noch von Außerirdischen (oder Engeln..., oder sowas), denn diese haben ja die eigentliche Patentverletzung begangen, als sie die Schauplätze als Geodaten in natürlichen Zahlen auf dem Papier verschlüsselten ... im Film [sic!].

Da Global Findability leider, trotz ihres vielversprechenden Mottos We Make Everything Easy to Find, wohl unüberwindbare Schwierigkeiten hatte, die Außerirdischen (oder Engel...) aufzufinden, die im besagten Film das besagte Patent verletzten, haben Burnett und seine Anwälte kurzerhand die Produktionsfirmen Summit Entertainment, LLC und Escape Artists, LLC vor einem Bezirksgericht in Washington wegen Patentverletzung verklagt. Ich sehe drei mögliche Ergebnisse des Gerichtsverfahrens:

  1. Die erste und (angesichts gängiger US-Patentpraxis) wahrscheinlichste Möglichkeit läuft darauf hinaus, dass der patentverletzte Bernett und seine Leute von Global Findability für ihren Geokodierungs-Geniestreich mit vergangenen und zukünftigen Katastrophen bald mit Gold überschüttet werden, weil die Außerirdischen (oder Engel... oder Filmproduzenten und andere Dämonen) die Lizenzen nachbezahlen müssen, bevor sie die Welt endlich auslöschen dürfen.
  2. Oder dieses Mal siegt das Gute, immerhin sitzen die Produktionsfirmen nahe Hollywood, ein Happy End ist greifbar nahe: Global Findability untersagt einfach allen Bösen auf der Welt ihr Patent zu verletzen und im Anschluss auch noch eben jene Welt untergehen zu lassen.
  3. Dritte und unwahrscheinlichste Möglichkeit: ein Bezirksrichter erklärt Herrn Burnett und seinen Anwälten den Unterschied zwischen Realität und Fiktion, vielleicht am leicht verständlichen Beispiel des Weihnachtsmanns.

Jedenfalls ist klar: Die Existenz der Menschheit - ach was, der ganzen Welt! - steht auf dem Spiel. Der Ausgang ist ungewiss. Information Superhighway wird versuchen bis zur letzten Sekunde online zu bleiben.

PS: Falls jemand weiß, wo man vorab einen DSL-Anschluss mit Flatrate im Neuen Garten Eden beantragen kann, bitte schnell bei uns melden, es eilt, danke!

Autor: ISUP Weltraumkorrespondent Anastasios Hatzis
Bild: NASA/courtesy of nasaimages.org

No related posts.

Comments (0) Trackbacks (0)

No comments yet.


Leave a comment


No trackbacks yet.